Die Dramatische Buehne

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Frankfurter Rundschau vom 06.07.2009

Mit Bombast und Klimbim

Das Open-Air-Programm der Dramatischen Bühne im Grüneburgpark.
VON JUDITH VON STERNBURG

Wenn es einem Menschen möglich wäre, in 44 Tagen 22 Inszenierungen anzuschauen, hätte er anschließend eine schöne Übersicht über die großen Stoffe der abendländischen Kultur. Von den Stücken Shakespeares und Goethes über die Romane Victor Hugos und Henryk Sienkiewiczs (wer denkt, er kennt ihn nicht, der kennt ihn doch, als Autor nämlich des Römer-Reißers "Quo Vadis") bis zu dem Gesamtkunstwerk Richard Wagners und dem kreischigen Musical "Barbarella Verwirrt im Weltall". "Barbarella Verwirrt im Weltall" gehört vielleicht noch nicht ganz zu den großen Stoffen der abendländischen Kultur. Aber die Dramatische Bühne arbeitet daran.

Allerdings empfiehlt es sich nicht, im Prüfungsgespräch auf die Prostata-Probleme der drei Musketiere abzuheben. Oder sich zu sehr darauf zu verlassen, wie die Dramatische Bühne Frankfurt die Bekanntschaft von Siegfried und Brünhilde erklärt. Oder hinfort zu behaupten, Viola aus "Was Ihr wollt" hätte keinen Zwillingsbruder, bloß weil Thorsten Morawietz diese Rolle gestrichen hat.
Denn Morawietz, der die Texte für die Dramatische Bühne Frankfurt schreibt, nimmt es mit dem Umgang mit den Vorlagen genau so genau, wie er es brauchen kann. Recht so, selbst dran schuld, wer vorm Abi nicht ins Reclamheftchen guckt. Hier geht es alleine ums Vergnügen. Das ist naturgemäß noch größer, wenn man im Bilde ist. Vorbildung ist aber nicht Bedingung. Während andere bloß davon reden, macht die Dramatische Bühne ohne Aufhebens ein Theater auch für Nicht-Theatergeher, mit Bombast, Klimbims und originellen Filmeinspielungen, mit Großkostümierung und einer reichhaltigen Musikauswahl. Die Entscheidung, nicht subtil zu sein, wird hier so konsequent ausgelebt, dass man noch augenrollend seine Freude daran hat.

Kontrast von Luft und Muff

Zum 11. Mal ist die Dramatische Bühne nun aus der dunklen Exzesshalle in Bockenheim in den im Verlauf der Handlung aber auch dunkel werdenden Grüneburgpark gezogen. Am vertrauten Spielplatz leiden alte Bäume an Pilzbefall. Der Ort darf vorerst nicht benutzt werden, und die Schauspieler haben vom Amt eine neue Spielstätte zugewiesen bekommen: an der Gedenkstele für das Rothschildpalais. Seit die Probleme mit den neuen Kabelwegen gelöst wurden, berichtet Sebastian Huther vom Ensemble, "sind wir sehr glücklich damit". Sogar einen kleinen Biergarten gibt es nun, der an Vorstellungsabenden (also immer, außer am 8. August) geöffnet ist. Auf Vogelgepiepse und die Baumumrahmung der Bühne muss auch künftig keiner verzichten. Dabei bewährt sich das Theater auf der grünen Wiese erfahrungsgemäß übrigens ausgerechnet bei den In-Door-Klassikern: "Phantom der Oper" etwa, das in die Labyrinthe unter der Pariser Oper gehört. Oder "Einer flog übers Kuckucksnest", der Psychoschocker für Freiheitsliebende und Klaustrophobiker. Herrlich, der Kontrast zwischen Luft und Muff.

Die Leute von der Dramatischen Bühne spielen wirklich jeden Tag, außer an einem einzigen (was mag am 8. August nur los sein?). Wenn es zu lange regnet, können sie und wir einpacken. Die Karten behalten aber ihre Gültigkeit, Vorbeireisende nehmen ihr Geld zurück, treue Kunden versuchen es mit einem Gutschein beim nächsten Mal wieder.

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