Die Dramatische Buehne

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Shakespeares Geliebte

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Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 25.04.10

Williams Muse
Shakespeares Geheimnis: Uraufführung der Dramatischen Bühne

VON JÜRGEN RICHTER

Tintenfass und Totenschädel zieren den Tisch des Denkers, der hier unter gotischen Bogengewölbe Sonette voller Schwermut und Leidenschaft ausbrütet. Die Emotionen die keinen Leser unberührt lassen werden, können nicht ohne authentischen Antrieb entstanden sein. Die Dramatische Bühne nimmt in einer Koproduktion mit dem Shakespeare-Theater die Spur auf in dem Drama "Shakespeares Geliebte". Shakespeares Geliebte Gruppenbild

Elisabeth Vernon heißt die Muse, die den Autor von "Romeo und Julia" nicht nur wachgeküsst, sondern mit keineswegs ungeteilter Zuneigung auf Trab gehalten hat. Die Mainzer Literaturhistorikerin Hildgard Hammerschmidt-Hummel will die mit Shakespeares Freund und Förderer Graf von Southamton verheiratete Lady in schriftlichen Dokumenten und auf zwei zeitgenössischen Gemälden identifiziert haben. In ihrer Dokumentation zum "Geheimns der Dark Lady" wird ein Mysterium wie in Dan Browns "Da Vinci Code" ausgebreitet. Die Bühnenfassung in 35 stakkatoartig ausgespielten Bildern hat hat die Autorin bei der Premiere in der Frankfurter Exzess-Halle mit einem Abriss ihrer Forschungsarbeit eingeleitet.
Dann aber vernetzt Regisseur Thorsten Morawietz die Stationen chronologisch als Narrator vom Katheder aus, während die grotesken und pittoresken Momentaufnahmen aus höfischen Intrigen und komödiantischen Inszenierungen die Zuspitzung einer unglücklichen Liebschaft begleiten.

Die Szenen, die mal den Dichter und mal den aristokratischen Rivalen vorn in der Gunst der Geliebten sehen, werden begleitet von Ereignissen aus der elisabethanischen Epoche wie dem Aufstand des Grafen von Essex. das Drama selbst dürfte den historischen Figuren mehr Stress als Genuss bereitet haben. Die Frankfurter Inszenierung setzt ganz auf ein Genrebild und fokussiert die wichtigsten Schauplätze in goldgerahmte Gemäldeperspektiven. Masken und Garderoben haben nicht nur dekorative Wirkung, sie lassen auch etwas von dem zwischen Ausschweifung und Prüderie schwankenden Zeitgeist ahnen. Und das Ensemble erfüllt Indizien und Spekulationen rund um den von Shakespeare bis zu Lady Di nachgezeichneten Stammbaum mit seinen schillernden Eskapaden.

 

Frankfurter Neue Presse vom 27.04.10

Berühmtester Theaterautor der Welt sieht sich betrogen
Die «Dramatische Bühne» wagte sich in der Frankfurter Exzesshalle per Uraufführung an «Shakespeares Geliebte – Die wahre Geschichte».

Warum soll es dem guten William Shakespeare anders gegangen sein als den Figuren in seinen unsterblichen Werken? Machtspiele, Intrigen und vor allem Liebesränke zuhauf. Das macht jedenfalls das Stück «Shakespeares Geliebte» von Hildegard Hammerschmidt-Hummel deutlich. Das Werk der Shakespeare-Forscherin beruht auf akribischen Recherchen und darf als authentisches Sittenbild gelten. Wer versteckt sich hinter der mysteriösen «Dark Lady» der Sonette? In welche politischen Intrigen war Shakespeare verstrickt? Welches Geheimnis umgibt sein Leben und Werk? Das sind die zentralen Fragen, denen in sinnlichem, komödiantischem und tragischem Spiel nachgegangen wird.

Simone Greiss hat drei kleine Guckkastenbühnen in der Exzesshalle aufgestellt: eine für höfische Szenen, eine weitere als Dichterstube Shakespeares und eine dritte, auf der Shakespeare-Szenen als Spiel im Spiel geprobt werden. Regisseur Thorsten Morawietz thront als Erzähler hoch auf einem Stuhl und springt auch als Mime in die Szenen. Hofadel, diverse Gefährten des Dichters und die Damen Elizabeth Vernon, Lady Rich und Southhampton, zudem Königin Elisabeth I. werden vom kleinen Team der «Dramatischen Bühne» in multipler Rollengestaltung und in historisierenden Kostümen verkörpert. Schauspielerischer Primus inter Pares ist Julian König als Shakespeare, der unglücklich ist, weil seine große Liebe Elisabeth ihn betrügt. Mit dramatischen Folgen.

 

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